Jubelrufe für das neue Frankenlied

Ein geistliches Konzert mit dem Männerchor des Fränkischen Sängerbundes – da vermutet der Besucher Ernsthaftigkeit, Tiefgründigkeit und Stimmgewalt. Das war auch so am Sonntagabend in der Michaelskirche der Ostheimer Kirchenburg. Doch was die Gäste noch viel mehr begeisterte, war die mitreißende Lebenslust, der Schalk und die Spontanität von Chorleiter Hermann Freibott und seiner 25-köpfigen Künstlergruppe. Diese gipfelte in der Uraufführung des Frankenliedes „Die Schöppli aus Franken“ von Prof. Kilian Moritz.

 

Auf die nachdenkliche Begrüßung durch Pfarrer Andreas Biesold in Anlehnung an den Stoßseufzer Psalm 90 und die dann heitere Einstimmung mit Hinweis auf die „ganz und gar fränkische Ostheimer Kirche“ folgte der erste Teil der rund einstündigen Darbietung der Sänger. Diese waren aus ganz Franken angereist, um ihrer Sangeslust bei dem Konzert freien Lauf zu lassen. Knapp 100 Gäste verfolgten die hochkarätige Darbietung, die Chorleiter Hermann Freibott gut verständlich und mit viel Esprit moderierte.

 

Den Auftakt des Konzerts bildete „Christus der ist mein Leben“ des gebürtigen Wasungers Melchior Vulpius (1570 – 1615) sowie ein „Kyrie, Gloria, Sanctus, Agnus Dei“ von Laurent Menager. Der erst wieder entdeckte Luxemburger Komponist bietet Männerchören „interessante Musik im geistlichen Stil“, so der Oberstudienrat vom Lehrstuhl für Musikpädagogik an der Uni Würzburg. Und so lauschten die Zuhörer auch ergriffen den nachdenklichen und manchmal heiter klingenden A-Cappella Intonationen.

 

Weiterhin begeisterten die Sänger des Fränkischen Männerbundes mit den ermutigenden Liedern „Beten und Lobsingen“ sowie „Der Herr sei mit dir“ des erst 2010 verstorbenen Robert Pappert, einem so Freibott wunderbaren Menschen, der unglaublich viel komponiert hat. Vor Beginn des zweiten Teils intonierte Chormitglied Dr. Christoph Meier an der Orgel eine Fantasie im französischen Stil – gewaltige Klänge, die es wohl vorher kaum in der Michaelskirche zu hören gab.

 

Mit ungekünstelten, fröhlichen Weisen wie „Frisch gesungen“, „Der Lindenbaum“ und „Untreue“ von Friedrich Silcher, „Wahre Liebe“ des Tschechen Leos Janacek (1854 – 1928) und „Aus der Traube in die Tonne“ von Kurt Lißmann (1902 – 1983) leitete Hermann Freibott mit seinen Sängern auf den Höhepunkt des Konzerts hin, der Uraufführung des neuen Frankenliedes „Die Schöppli aus Franken“ von dem in Gefäll aufgewachsenen Prof. Kilian Moritz.

 

„Hermann Freibott hat sich krömpfert gelacht, als ich es ihm in Würzburg in einem Cafe vorgesungen hab‘“, erzählt der Franke mit Leib und Seele, der an der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Würzburg-Schweinfurt unterrichtet. Beim Kaffee entstand die Idee, beim nächsten Konzert eine Uraufführung zu wagen, und dies war just der Termin in Ostheim. „Das ist echte Impro mit viel Mut“, lachten Freibott und sein früherer Schüler Moritz.

 

Zwei Stunden mussten für die Proben der Uraufführung in Ostheim reichen. Und siehe da, die professionellen Sänger gaben das zwölfstrophige Lied („Kürzer ging’s nicht“, so Moritz) so schwungvoll und schön zum Besten, dass das Publikum mit Standing Ovations und Jubelrufen eine Wiederholung einforderte. Bei dieser sangen Ostheimer und Gäste denn auch dank des bunten Liedblättchens beherzter mit, vor allem beim fröhlichen Refrain „Schütt‘ de Brüh‘ noo“. Übrigens wie viele fränkische Begriffe eine Abwandlung aus dem Französischen. In diesem Fall vermutet Moritz den „Jus de Pruneaux“ (Pflaumensaft) als Wurzel des immer noch geläufigen Ausspruchs. Aufgrund der gelungenen Premiere versicherte der stets fröhliche Freibott, dass er das neue Frankenlied in sein Repertoire aufnehmen wolle. Zumal gar ein Chormitglied meint: „Das Lied, das wird unsere neue Hymne.“

 

„Einfach Spitze“, fasste Udo Trabert von den Freunden der Kirchenburg abschließend das hervorragende Konzert zusammen. Der Spendenerlös aus dem Konzert kommt dem Verein Freunde der Kirchenburg e.V. zugute. Udo Trabert bedankte sich herzlich bei Sängern und Publikum.

 

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